„7yearsbadluck“ und „The Locos“ am 27.01. im Rockhouse, Salzburg
Gepostet am 30. Januar 2010 - 11:30 von Bine-Zink
Im Rockhouse dröhnten vergangenen Mittwoch
erneut die Verstärker. Der lokale Support „7yearsbadluck“ konnte mit seinem
verzerrten Punkrock schon einiges vorlegen. Die Mischung des Trios aus
peitschendem Schlagzeug sowie verzerrten Saiteninstrumenten zogen das zunächst
spärlich Publikum in den Bann und ließ es schon einmal für den Höhepunkt des
Abends, die spanischen „The Locos“, warm laufen. Diese können eine nicht ganz
gewöhnliche Entstehungsgeschichte ihr Eigen nennen. Anstatt sich mit lästigen
Abschiedsgrübeleien oder der obligatorischen Erholungspause hinzugeben,
beschloss der ehemalige Ska-P-Sänger „Pipi“ den Weg des Proberaumes und der
Bühnen weiterzugehen.
Skeptische Kritiker hielten dieses Vorhaben zunächst für
den reinen Wahnsinn – daher auch der Name der siebenköpfigen Truppe: The Locos
– zu Deutsch: Die Verrückten. Doch der exzentrische Frontmann und seine Kollegen - eine Horde Gleichgesinnter, die er
durch improvisierte Castings zusammen führte – entfliehen dem Wahnsinn durch
ihre Interpretation von Ska. Dabei handelt es sich um eine Kombination mit
aggressivem Punk, die wie mit voller Geschwindigkeit nach vorne rauscht, ohne auch
nur eine Sekunde lang anzuhalten. Die aufgedrehte Rasselbande verwandelte die
Bühne in ihren persönlichen Spielplatz. Und die Energie der sieben sprang
sofort auf das Publikum über. Denn die tanzende Menge ist ihrem durch einen
Irokesenschnitt gekrönten König „Pipi“ von Anfang an hörig. Schließlich weiß
der sich zu inszenieren. Mal fetzt er als bulliger Polizist mit Schlagknüppel,
mal als hoher Geistlicher, dem ein hölzernes Kruzifix um den Hals baumelt oder
als Zirkusdirektor, umher, lässt sich jagen oder übernimmt kurzerhand die
Gitarre. Zwischendurch erhebt sich eine aufblasbare Freiheitsstatue aus dem
nichts, mit dem Unterschied, dass ihr Gesicht zur grotesken Fratze verzogen
ist.
Die Spaßvögel sind jedenfalls immer wieder für eine Überraschung gut,
indem sie „Don’t worry, be happy“ auf Spanisch übersetzen sowie ihre Version
von Blurs „Song Two“ zum Besten geben. Eigene Songs der zwei bisher erschienen
Alben „Jaula de Grillos“ und „Energía Inagotable“ sind von einem Rhythmus geprägt,
der direkt nach vorne geht. Sie sind unverschlüsselte Nachrichten gegen das
System, lebendige Farben des alltäglichen Kampfes. „Pipi“ hat in einer völlig
natürlichen Art und Weise seinen neuen Platz in einer Band, in seiner Band The
Locos gefunden und tut hier nach wie vor das, was er am besten kann: Entertainen!
Seine Performance, seine Präsenz auf der Bühne, die diversen Kostümwechsel und
halsbrecherischen Bühnenstunts sind und bleiben legendär.
Review + Fotos: Sabine Zink
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