- Das findet man im Magazin:
„Ich danke ihnen allen – und ich meine nicht nur ihre Aufmerksamkeit“, spricht Gastredner Robert Misik, ein österreichischer Journalist und Autor, und erntet dafür tosenden Applaus vom Plenum. Er ist nur einer von vielen Vortragenden, die sich mit den Studierenden solidarisiert haben. Auch dass die Besetzung schon über eine Woche dauert, tut der positiven Stimmung keinen Abbruch. Angetrieben durch die Solidaritätsbekundungen aus den anderen Uni-Städten Österreichs und verschiedensten Institutionen wächst die Überzeugung, die prekären Verhältnisse an heimischen Hochschulen und Universitäten gemeinsam verändern zu können. Eine Illusion?
Die weitläufig bekannten Forderungen „Aufhebung der Zugangsbeschränkungen“ und „endgültige Streichung der Studiengebühren“ bilden die Spitze des Forderungenkataloges, der zwar gut gemeint ist, aber dann vermutlich doch etwas fern des realistisch Machbaren liegt. „Ziel ist primär nicht, alle Forderungen durchzubringen. Wichtig wäre es erst einmal, mit Herrn Wissenschaftsminister Hahn zu reden, zu diskutieren und an konkreten Lösungen zu arbeiten“, so Valentin, ein Mitarbeiter von der Arbeitsgemeinschaft „Presse“. Die Debatte letzten Freitag in der ZIB 2 u.a. mit Johannes Hahn, Audimax- Besetzerin Isabella Weiß und der ÖH-Vorsitzenden Sigrid Maurer brachte wie erwartet keine konkreten Ergebnisse. Die ebenfalls am Freitag versprochenen zusätzlichen 34 Mio. Euro aus dem „Minister-Notfalltopf“ sind für die Besetzer ein „Tropfen auf dem heißen Stein“.
Und so ist noch kein Ende in Sicht.
Mal ehrlich, niemand hätte sich von der jungen, mutmaßlich unpolitischen Generation erwartet, eine derart Wellen schlagende Protestaktion für gerechtere Bildungschancen auf die Beine zu stellen. Binnen weniger Tage organsierten sich aus einem Haufen erzürnter StudentInnen zig Arbeitsgruppen, gemeinsam wurden Themen erarbeitet, eine eigene Volksküche und Schlafplätze eingerichtet und so nebenbei eine riesige Demonstration durch die Wiener Innenstadt umgesetzt. Jeder hilft mit. Gemeinsam bilden sie einen dezentral aufgebauten Apparat, eine Art politischen Prototypen, den es so noch nie gab. Die Betonung liegt auf „dezentral“, da es eine Führung im eigentlichen Sinne nicht gibt. Stattdessen entscheidet das Plenum über diverse Anliegen. Dazu Valentin: „Beispielsweise die Liste der grundsätzlichen Forderungen an Minister Hahn wurde mittels Mehrheitsbeschluss im Plenum abgestimmt. Daneben gibt es einzelne Arbeitsgruppen, die ihre Anliegen zusätzlich ausarbeiten und dort kund tun.“
Links? Rechts? Bildung!
Auch das Medienecho, das diese Aktion verursacht, ist gewaltig. Zeitungen, TV- und Radiosender aus vielen Ländern berichten über das engagierte Auftreten der protestierenden, österreichischen Studierenden. Neben den vielen positiven Rückmeldungen und Berichten wird der Protestwelle aber auch ein linkes Etikett aufgedrückt. In der Öffentlichkeit wird ein Bild geschaffen, welches die TeilnehmerInnen der Revolte in die „68er“- Schublade á la „Studierende spielen Revolution“ steckt. „Es geht um Bildung und nicht um links oder rechts. Vor allem durch unseren Live-Stream und unser Web 2.0 Networking nehmen wir den Medien den Wind aus den Segeln“, erklärt Valentin weiters. Auch die rasche Vernetzung beziehungsweise Verbreitung wäre ohne Facebook, Twitter und Co unmöglich gewesen. Mittlerweile hat die Facebookgruppe „Audimax Besetzung in der Uni Wien - Die Uni brennt!“ mehr als 23.400 AnhängerInnen.
Blockieren sie das Studieren?
Allerdings hat sich inzwischen auch eine andere studentischen Gruppe einen Namen gemacht. „Studieren statt Blockieren“ lautet die Alternativbewegung, die die Forderungen der Besetzer als zu widersprüchlich ansieht. Stattdessen wird hier die Einführung von Studiengebühren und Zulassungsprüfungen vorgeschlagen. Es verstrickt sich immer mehr. Wie die ganze Sache ausgehen wird, kann niemand prognostizieren, die Bewegung schlägt schon zu hohe Wellen und wird sich wohl durch einfache Zugeständnisse nicht abspeisen lassen. Möglicherweise stehen wir am Anfang eines konstruktiven Prozesses, der dem Bildungssystem neue Wege bereitet. Eines ist fix: Das Gesudere á la „in unserem Land ist nichts möglich, weil keiner was tun will“ gehört alle mal der Vergangenheit an - zu welcher der beiden Gruppen man sich auch immer zählen möchte …
Elisabeth Gamperl
Interview mit Kathi aus der VoKü
Heimfest.at berichtet täglich: www.heimfest.at/unibrennt
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