Interview mit Kathi aus der Volksküche
Gepostet am 1. November 2009 - 20:40 von Robsi
Arbeitswillig schnippelt eine Schar
von Studierenden das frisch eingetroffene
Obst in der Volksküche,
der „Essensstation“ neben dem
Audimax. So auch die 19-jährige
Germanistik-, Psychologie- und Philosophie-
Lehramtsstudentin Kathi.
Kathi, seit wann genau bist du
dabei?
Ich bin am zweiten Tag dazugestoßen.
Eigentlich ergab sich alles
sehr spontan. Ich wollte nur kurz
mithelfen und nun ja... jetzt manage
ich mit 15 anderen Studierenden die
Volksküche.
Wie geht es euch bei der Organisation?
Super. Zwischen 90
und 95 Prozent des Essens wird von
Unternehmen und Privatpersonen
gespendet. Leider darf ich keine Namen
nennen (lacht). Aber es funktioniert
alles besser als erwartet. Am
Anfang waren wir rund um die Uhr
hier, jetzt haben wir eine Art
Zeitplan
herausgearbeitet, an den sich
jeder freiwillig hält. Wir wollen ja
auch mal schlafen.
Wie würdest du die Atmosphäre
hier beschreiben?
Ich kann mich
noch genau an den dritten und vierten
Tag erinnern. Am Anfang war
die Euphorie groß und viele kamen
her, um Party zu machen. In kürzester
Zeit entstanden allerdings eine
unglaubliche Gruppendynamik und
ein starker Arbeitswille. Mitten um
vier Uhr früh versammelten sich
Studierende und reinigten das Audimax.
Es war herrlich. Und so ist es
noch immer – alle halten zusammen
für eine gemeinsame Sache.
Stichwort „Saufen“: Was denkst
du über Spaßdemonstranten?
Das kannst du vergessen! Meiner
Meinung nach soll jeder tun, was er
will, solange man niemandem schadet.
Ergo: So lange kein Vandalismus
aufkommt oder es nicht ausartet,
dulde ich es.
Es gibt so viele Arbeitsgemeinschaften.
Verläuft sich nicht alles?
Durch das Plenum eben nicht.
Jeden Abend wird gemeinsam über
die wichtigsten Punkte abgestimmt.
Somit bleibt immer ein Ziel vor Augen.
Und je mehr Menschen sich mit
uns solidarisieren und mit uns diskutieren,
umso stärker werden wir.
Wie reagieren deine Eltern/
Freunde darauf?
Meine Freunde
sind hier nicht so involviert in die
ganze Bewegung. Überraschenderweise
stehen meine Eltern aber total
hinter mir. Sie motivieren mich
immer wieder zum Weitermachen.
Auch sie wollen, dass sich etwas verändert!
… und wird sich etwas verändern?
Ja, das denke ich schon. Die
Regierung bzw. Wissenschaftsminister
Hahn kann das nicht ignorieren.
Schlussendlich wird ein Mittelweg
gefunden werden, damit alle halbwegs
zufrieden sind.
Mal ehrlich: Wie lang hältst du
noch durch?
Bis zum bitteren Ende (zwinker).
Das Interview führte Elisabeth Gamperl
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